Klasse und verbindende Klassenpolitik

Viele Jahre kaum beachtet sind »Klassen« und »Klassenpolitik« als Kategorien mit Wucht in den öffentlichen Diskurs zurückgekehrt. Zugleich dominieren weiterhin eher einfache Bilder einer männlich geprägten Industriearbeitklasse. Doch die Klasse ist in permanenter Veränderung, immer schon. Wer steht heute für sie: der Kohlekumpel in der Lausitz, der von Digitalisierung bedrohte Industriearbeiter, der DHL-Bote am Ende einer informatisierten Logistikkette, der prekär Beschäftigte urbane Kreativarbeiter, oder doch die Krankenschwester in den modernen Krankenhauskonzernen? Alte Milieus sind in Auflösung, neue entstehen, scheinbar aber fragmentierter, pluraler, weiblicher, migrantischer und prekär. Und nicht zuletzt spielen sich zahlreiche Klassenkämpfe nicht nur in der Produktion, sondern auch im Bereich der Produktion ab, um soziale Infrastrukturen, Pflege und Sorgearbeit, geschlechtliche Arbeitsteilung, Wohnen, lebenswerte Umwelten und Stadträume etc. Die Einzelnen haben vielfältige Interessen. Entsprechend vielfältiger werden auch die Kämpfe. Die Klassenzusammensetzung verändert sich auch durch transnationale Produktionsstrukturen und neue Produktivkräfte, jüngstes Stichwort: die Digitalisierung. Eine neue Klassenanalyse ist nötig. Und wie lassen sich die verschiedenen Teile der Klasse verbinden - ohne falsche Gegensätze von Identitätspolitik versus soziale Frage? Solidarität ist kompliziert zu machen, aber drängender denn je!

Mit: Mario Candeias (Rosa-Luxemburg-Stiftung)

Termin

13. September 2018
15:15 16:15 Uhr

Redner*innen

Veranstaltungsort

Raum 1
Franz-Mehring-Platz 1
10243 Berlin

Themen

Veranstalter

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