Der NSU-Komplex und die Saboteure der Aufklärung

Mit den Plädoyers der Nebenklage schlug ab Oktober 2017 im NSU-Prozess noch einmal die Stunde der Wahrheit: Mit brillanten und aufeinander abgestimmten Schlussvorträgen fächerten die Vertreter der Betroffenen des NSU-Terrors noch einmal den ganzen Skandal auf, den der „NSU-Komplex“ darstellt und zu dessen Aufarbeitung und Aufklärung der Prozess auch nach 440 Verhandlungstagen und über fünf Jahren Laufzeit nicht eben viel beigetragen hat. Gesellschaftliche und politische Konsequenzen spielen im Alltag vor Gericht und in den zahlreichen Parlamentarischen Untersuchungsausschüssen so gut wie keine Rolle. Hinter dem Agieren des terroristischen NSU und seines wohl Hunderte Personen umfassenden Unterstützer_innen-Netzwerks öffnete sich das Panorama des wohl größten Geheimdienstskandals der Geschichte der BRD und eines unvorstellbaren behördlichen Rassismus in den Ermittlungen. Gegen die Familien und das soziale Umfeld der Opfer der NSU-Verbrechen selbst wurde über Jahre mit kruden Vorwürfen und rassistischen Anschuldigungen ermittelt. Seit dem Auffliegen des NSU am 4.11.2011 artikuliert sich nur verhalten und langsam ein Aufschrei, der all das nicht mehr zu akzeptieren bereit ist und eine öffentliche Diskussion der Skandale erzwingen will, des behördlichen und gesellschaftlichen Rassismus und der enormen Gefahren für das Gemeinwesen, die von den unkontrollierten und unkontrollierbaren (Inlands-)Geheimdiensten ausgehen. Mit dem Crash Kurs zum NSU Komplex wollen wir einen Raum ermöglichen, in dem Fragen rund um den Prozess gestellt werden können.


Mit: Fritz Burschel (Rosa-Luxemburg-Stiftung)

Termin

13. September 2018
16:30 17:30 Uhr

Redner*innen

Veranstaltungsort

Raum 1
Franz-Mehring-Platz 1
10243 Berlin

Themen

Veranstalter

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